Singen

Auftritt, Partytime!

Soooo. Zeit für schamlose Eigenwerbung. Ich glaube nicht, dass ich es hier schon erwähnt habe. Aber ich singe neben der Bloggerei und ein bisschen Arbeit noch in einer Band. Das Ganze ist nur hobbymäßig, aber nichtsdestotrotz mit hohem Qualitätsanspruch.

Wir heißen Funkaholic und der Name ist Programm: Wir covern Funk & Soul aus allen Jahrzehnten. Alles, was uns und unserem Publikum Spaß macht.

Lange war’s ein wenig still um uns. Aber am 2.10. treten wir endlich wieder in Stuttgart auf. Um 20:30 geht’s im Merlin im Westen los. Der Eintritt kostet 10 Ocken und ist jeden cent wert, wenn ich das mal selbst behaupten darf. 😉

Zeitlich optimal gelegen, um sich bei uns warmzutanzen, das ein oder andere Bierchen zu kippen und hinterher zu den bekannten Nightlife-Hotspots weiterzuziehen.

Wer also einfach Lust auf Party hat, auf Funk & Soul-Musik steht und/oder schon immer wissen wollte,  ob ich besser singe als schreibe, ist herzlich willkommen.

Mehr zu uns gibt’s auf Facebook , da könnt Ihr auch Freunde von uns werden, oder auf Funkaholic.net

Funkaholic im Merlin, 02.Oktober 2010, 20:30, Augustenstr. 72

Singen für eine bessere Welt.

Nein, es geht in diesem Post nicht um die Sternsinger, die grade wieder um die Häuser ziehen. Auch wenn die Überschrift schön passen würde…

Diese Woche bietet der Focus eine Liste mit 44 Dingen, die das Leben schöner machen.

Auf Platz 40: „Singen Sie sich gesund und glücklich.“ Eine Aussage, die, auch ohne wissenschaftlichen Beweis wohl jeder unterschreiben kann, der gerne singt. Aber es ist laut Focus sogar nachgewiesen, dass durch Singen nicht nur Glückshormone ausgeschüttet, sondern auch die Abwehrkräfte gestärkt werden. Das ist doch prim, oder? Und ich gehe jetzt einfach nochmal einen Schritt weiter:

Wenn mehr Menschen singen würden, wäre unsere Welt ein besserer Ort.

Davon bin ich überzeugt.

Wie ich darauf komme? Schauen wir uns doch mal um. Woher kommt unsere Gereitztheit im Alltag? Weshalb streiten wir uns?
Die meisten von uns wohnen auf relativ engem Raum nebeneinander und miteinander. Damit das funktionieren kann, regulieren wir uns, schränken uns ein, nehmen uns zurück. Dazu kommen meistens noch andere Faktoren, die wir oft nicht beeinflussen können.

Das drückt aufs Gemüt, schlägt auf den Magen oder äußert sich in völlig irrationalen und überzogenen Realtionen. Manchmal wird es einfach zu viel, dann platzt es aus einem heraus. Man streitet sich, man brüllt, manche werden sogar gewalttätig und hinterher tut es einem oft genug leid.

Und jetzt mal ehrlich: Wer hat sich noch nie gewünscht, einfach mal so laut wie möglich zu schreien, den ganzen Frust rauszubrüllen? Nur wo macht man das? Hat man keinen schalldichten Raum zur Hand, wird es schwierig. Im besten Fall halten einen die Nachbarn nur für seltsam, im schlimmsten rufen Sie die Polizei (auch abhängig von der Art des Schreis, vermute ich mal).

Und wer von uns kennt nicht das gute Gefühl, einfach richtig tief durchzuatmen, sich den Kopf mit Sauerstoff vollzupumpen und mit einem tiefen Seufzer die Luft wieder rauszulassen? Und das bitte ohne, dass man gleich gefragt wird, was denn so schwer sei. Ich will mich nicht erklären und meine Seufzer sind keine Aufforderung zum Gespräch sondern eine Therapie in sich.

Und genau hier kommt das Singen ins Spiel. Versteht mich nicht falsch: Ich finde Singen und Musik auch so schon wunderschön. Ich möchte sie hier nicht auf einen reinen physiologischen Nutzen reduzieren. Aber man pumpt beim Singen dennoch so viel Luft durch den Körper, wie man es sonst nur durch Sport schafft. Und man hat eine Möglichkeit, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen.

Musik entsteht aus Emotionen und sie weckt Emotionen. Warum liegt denn unter jedem Film Musik? Warum kann ein und dieselbe Filmszene nur durch unterschiedliche Musikuntermalungen grundverschieden sein? Weshalb waren es keine Verhandlungen, sondern ein Weihnachtslied, dass im ersten Weltkrieg für einen kurzen Frieden an der Front gesorgt hat?

Warum lieben so viele Menschen Musicals und Opern? Warum wirkt plötzlich alles anders, nur weil aus der Ferne Klaviermusik zu hören ist? Und warum reagieren schon Babys und Kleinkinder viel intensiver auf Gesang als auf eine Sprechstimme?

Mit Musik kann man, ohne zwingend laut werden zu müssen, seine Gefühle voll ausleben. Musik kann zu Tränen rühren oder einfach nur Freude zeigen. Man kann aus Liebe singen oder seinen Ärger loswerden und all das auf eine – sagen wir – gesellschaftlich legitimierte Weise.

Oft hört man, man soll eine Nacht über eine Entscheidung schlafen, bevor man eine Dummheit macht. Oder bis 10 zählen. Oder heulen. Oder eine Runde um den Block laufen, um den Ärger los und einen klaren Kopf zu bekommen. Ich sage: Singt!

Warum sollte man sich nicht einfach die Wut aus dem Bauch singen? Das funktioniert zugegebenermaßen nicht mitten im Gespräch, aber ganz prima, wenn man sich zum Beispiel über etwas ärgert, was eh schon passiert und nicht mehr zu ändern ist. Aus persönlicher Erfahrung kann ich dafür übrigens „Hedonism“ oder „Weak“ von Skunk Anansie empfehlen, aber generell darf sich da natürlich jeder aussuchen, was ihm gefällt und hilft.

Bleibt nur die Frage, woher ich das wissen will. Grundsätzlich beruht vieles von dem was ich geschrieben habe natürlich auf meinen eigenen Erfahrungen. Singen macht mich glücklich. Singen macht mich ausgeglichen. Je mehr, desto besser, je lauter, desto noch besser.

Zudem sind einige der tollsten, nettesten Menschen, die ich kennengelernt habe, große Musikfans, die auch selbst Musik machen. Nicht alle davon singen. Ich schätze mal, ein Instrument zu spielen, hat einen ähnlichen Effekt. Aber nicht jeder hat Zeit und Geld ein Instrument zu lernen. Aber die meisten haben funktionierende Stimmbänder. Ich habe wenige Menschen getroffen, die gar nicht singen können.

Manche treffen jeden einzelnen Ton, andere suchen vielleicht länger. Manche Stimmen sind voller, andere dünner, manche hoch, manche tief. Vieles, an dem Menschen ihre „Unfähigkeit“ zu Singen festmachen ist nur eine Frage der Übung.
Aber bei den meisten Menschen scheitert es am Mut. Denn was ich vorher als Vorteil genannt habe, kann auch ein Nachteil sein: Beim Singen gibt man viel von sich preis. Darum fällt es den meisten Menschen auch einfacher, vor fremden Menschen zu reden, als vor ihnen zu singen. Und ein „Du kannst nicht singen“ trifft oft härter als so manch andere Beileidigung.

Aber ich verlange hier auch von keinem, sich auf eine Bühne zu stellen. Singt im Auto. Singt unter der Dusche. Von mir aus auch unter der Bettdecke. Ihr singt in erster Linie für euch selbst. Aber wenn ihr euch traut, geht raus.

Singt in einem Chor. Singt mit Freunden. Gründet eine Band. Schert euch nicht darum, was selbst ernannte coole Leute davon halten. Singt euren Kindern Lieder vor und singt mit ihnen. Gebt ihnen neben all den anderen wichtigen Dingen im Leben auch die Liebe zur Musik mit. Und das Selbstvertrauen, selbst Musik machen zu können.

Und zum Schluß habe ich doch noch einen kleinen Beleg für meine Theorie. Nicht wissenschaftlich, aber historisch. Ein altes Sprichwort sagt nämlich:

Wo gesungen wird, da lass Dich nieder. Böse Menschen kennen keine Lieder.

In diesem Sinne: Singt!