Jetzt mal ernsthaft…

Ich hab mir eine ganze Weile überlegt, ob ich zu Stuttgart 21 etwas schreiben soll oder nicht.

Eigentlich sollte sich mir diese Frage nicht stellen. Ich lebe hier, ich arbeite hier und darf natürlich und zum Glück meine ganz eigene Meinung zu jeden Thema haben und frei darüber reden und schreiben.

Doch bevor man sich zu diesem speziellen Thema äußert muss man sich die berechtigte Frage stellen: Will ich meine Hand wirklich in dieses Wespennest stecken? Denn dieses eine Thema bringt die Stimmung im Kessel zum kochen wie kaum ein anderes.

Kommt der neue Bahnhof oder kommt er nicht? Und wer hat das zu entscheiden? Ist es noch eine Demokratie, wenn es ohne die Bürger direkt zu fragen, von den (demokratisch gewählten) Volksvertretern entschieden wurde? Diese und viele andere Fragen werden grade allenthalben auf der Straße, in Blogs, auf Twitter, auf Facebook, in Schulen und Büros, eigentlich überall in Stuttgart diskutiert.

Was die Lautstärke, Präsenz und Vehemenz auf der Straße und in den Medien angeht, scheinen die Gegner von S21 tatsächlich in der Mehrheit zu sein. Andererseits, wenn ich mich so in meinem persönlichen Umfeld umschaue: Ich kenne persönlich gar nicht so viele die dagegen sind. Dafür aber ganz viele Menschen, denen es relativ egal ist. Oder die sich nicht entscheiden können, ob sie das Projekt nun gut finden oder nicht. Oder die einfach der Meinung sind, dass der Zug eben doch schon abgefahren ist. Zu dieser großen „grauen“ Gruppe zähle ich mich auch.

Aber von uns hört man nichts. Warum auch. Wir haben eigentlich nichts zu sagen, sondern bleiben bei diesem Thema still auf der Zuschauerbank.

Und klar sind die Gegner laut. Müssen sie ja. Sie haben ein Ziel und ihre Chancen das zu erreichen stehen momentan eher schlecht. Bleibt ihnen nur, noch lauter zu trommeln. Und Trommeln sollen sie wegen mir gerne. Für mehr Demokratie, für die Bäume im Schlosspark und gegen S21, wenn das ihre Meinung ist.

Aber dann bitte ich euch, liebe S21-Gegner: Wenn Ihr mehr Demokratie wollt, dann lasst auch die anderen Meinungen gelten. Einige von euch, und ich weiß, es sind wahrscheinlich nur einige wenige, machen den gleichen Fehler, den ihr auch den Verantwortlichen von Stuttgart 21 vorwerft.

Wenn ein Bauzaunverleiher mit Hassmails zugespammt wird, nur weil seine Zäune für S21 gemietet wurden. Wenn Menschen in Kommentaren, im Park oder auf der Straße angefeindet werden, weil sie nicht gegen S21 Stellung beziehen wollen oder gar dafür sind. Und wenn Menschen Gewalt angedroht wird, weil sie für etwas stehen, was man selbst nicht möchte…

Dann ist euch die Meinung eurer Mitbürger und das Recht auf freie Meinungsäußerung leider offenbar genau so wenig wichtig, wie den Herren da oben. Und das geht mir entschieden zu weit.

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3 Kommentare

  1. Artikel 5 Grundgesetz

    (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten

    Artikel 20 des Grundgesetzes:

    (2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.

    Jetzt solltest DU dich nur noch ganz selbständig informieren WARUM die K21-Befürworter seit 37 Wochen jeden Montag, und seit letzten Mittwoch täglich demonstrieren.
    DU solltest dich darüber informieren was S21 für dich und die Stadt Stuttgart bedeutet.
    Hilfe findest DU z.B. mit 9 Minuten Deiner Lebenszeit hier: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/986616/Der-Superbahnhof-von-Stuttgart
    ist zwar schon etwas älter, aber wenn DU dir die volle Tragweite dessen was schief läuft, bzw. verheimlicht wurde, auf einmal gibst könnte es dich überfordern.

    in diesem Sinne oben bleiben!

  2. Vielen Dank für Deinen link. Ich werde ihn mir gerne anschauen.
    Es ist allerdings nicht so, dass das die ersten 9 Minuten meiner Lebenszeit wären, die ich dafür verwende.

    Ich weiß durchaus, was die pro- und contra-Argumente sind. Für mich kommt unterm Strich dennoch ein „ich kann mit beiden leben“ raus.

    Aber das war auch gar nicht der Hauptpunkt meines Posts. Wenn Du ihn nochmals genau durchliest, wirst Du sehen, dass ich eigentlich folgendes sagen wollte:

    Ich finde es gut, wenn Menschen für ihre Überzeugung auf die Straße gehen. Auch wenn ich diese Überzeugung so nicht teile. Aber ich finde es ausgesprochen bedenklich, wenn dafür zu den „Stilmitteln“ Einschüchterung, Bedrohung und Beleidigung von Andersdenkenden gegriffen wird. Das sind nicht die Grundsätze der sowohl von mir als auch von Dir angesprochenen Demokratie.

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